Die Erfahrungsberichte von Brigitte Reimer und Uwe Welck, Mitglieder des Freiwilligen Forums machen deutlich wie lohnend solch ein ehrenamtliches Engagement sein kann.

Frau Reimer:

Seit nunmehr 6 Jahren bin ich als Vorleserin dabei. Wie viele andere Ehrenamtliche auch, gehen wir in die Schulen  und Kitas, um den Kindern Märchen und Geschichten vorzulesen oder zu erzählen. Zur Zeit bin ich in einer Vorschulklasse. An der Stunde, die wir zusammen verbringen habe ich genauso viel Spaß, wie die Kinder auch. Die Freude geht schon auf dem Schulhof los, wenn ich zur Pause dort ankomme. Die Begrüßung ist herzlich und viele Fragen und Erlebnisse müssen schon vorab geklärt werden.

Das Vorlesen ist aber auch eine gewisse Herausforderung an die Vorleser. Denn man kann noch so gut vorbereitet sein, die Stunde wird eigentlich von den Kindern, ihren Fragen und Erzählungen geprägt. Also hier ist immer eine gewisse Flexibilität angesagt. Dies wird von den Kindern aber auch mit viel Liebe und Achtung gedankt.

Aus meiner Erfahrung hat sich gezeigt, dass ein Buch sowie auch das Lesen eine ansteckende Wirkung auf die Kinder hat. Wir Vorleser tragen auf diese Weise nicht nur zum Erhalt des Märchengutes bei, nein auch das Interesse an Büchern und Lesen wird dadurch eindeutig gefördert.

Für mich ist diese Stunde mit den Kindern eine große Freude und ein wunderbarer Zeitvertreib.

Herr Welck:

„Es läuft jetzt so, wie ich es mir wünsche!“ Larissa (Name geändert) nun 13 Jahre als, ist ein aufgeschlossenes Mädchen und lacht gern. Sie vermittelt den Eindruck, dass sie ihre Zukunft schon meistern werde.

Das war vor gut einem Jahr anders. Sie wirkte gehemmt und nicht sonderlich mitteilsam. Das Lesen – na ja. Das Vorlesen nicht unbedingt ein Hit. Ihre große Schwäche: Das Rechnen. Sie musste in die Förderschule wechseln. Hier fasste sie Fuß. Hier ging es voran. Im Vorlesen trat sie zunächst auf der Stelle. Lag es an der Motivation. Wofür Lesen?

Zu zweit übernahmen wir im wöchentlichen Wechsel Vorleseübungen. Nach einer gewissen Zeit fasste Larissa zunehmend Vertrauen zu uns, aber auch zu ihrem eigenen Können. Es entwickelten sich wie von selbst Dialoge und Gespräche über ihr Zuhause und ihre Gedankenwelt. Ihr Vorlesen wurde nach und nach flüssiger und anschaulicher. Sie fand intuitiv heraus, welche Sprachstilpotentiale in ihr stecken.

Dann hat sie sich um einen Praktikantenplatz in einer Kindertagesstätte beworben. Sie wurde genommen. Dort betreut sie eine Gruppe von Zwei- bis Vierjährigen. Sie spricht mit den Kindern, spielt und singt. Sie hat sich inzwischen bei den Eltern der Kinder vorgestellt. Vorab hat sie uns erzählt, wie sie sich den Eltern vorstellen möchte. Im Sitzen oder im Stehen, ihr Outfit, Blickkontakt, vorüber sie sprechen möchte. Im Nachhinein sagte sie: „Es ist alles so gut gelaufen. Die Eltern waren so nett zu mir.“

Apropos Lesen. Sie zieht sich gern mit einigen Kindern in eine Ecke zurück und liest ihnen Geschichten vor. „Sie sind allerliebst, die Kleinen. Sie hängen an meinen Lippen! Es läuft jetzt alles so, wie ich es mir wünsche“, beschreibt sie stolz ihren Erfolg.

Sie hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen, auch Verantwortung für die eigene kommunikative Leistung. Die durchweg positiven Erfahrungen haben ihr Selbstwertgefühl gestärkt. Sie vertraut jetzt ihrem eigenen Können.

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