Der Eimsbütteler Bürgerpreis wurde in diesem Jahr an unser Mitglied Frau Gerda Rose verliehen. Die Laudatio hielt Frau M. Zinn vom Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein:
Liebe Frau Rose, sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, dass ich heute hier stehen und etwas über Sie Frau Rose und Ihr Engagement erzählen darf. Sie erhalten heute den Eimsbütteler Bürgerpreis für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Wohnberatung. Ich möchte mit meiner kleinen Rede deutlich machen, was das Besondere an Ihrem Engagement ist?
Als Neuzugezogene nach Niendorf sind Sie Anfang 2009 auf das Freiwilligen Forum Niendorf-Lokstedt-Schnelsen gestoßen. Nun muss ich erklären, das das Forum eine selbstorganisierte Plattform für ehrenamtliches Engagement ist und die Freiwilligen jeweils das einbringen, was sie am besten können oder wofür ihr Herz am meisten schlägt. So gibt es eine breite Anzahl von Aktivitäten ( bei ca. 140 aktiven Mitgliedern verständlich) und neue Freiwillige, die im Forum mitarbeiten wollen, werden eingehend beraten und informiert, was sie tun können. Die meisten ordnen sich dann einer schon vorhandenen Aufgabe zu z.B. im Bereich der Nachbarschaftshilfe, des Vorlesens, des Schülerchoachings usw. Unser stets ausdrücklicher Hinweis, dass man auch eigene Ideen entwickeln und damit neue Projekte im Forum aufbauen könnte ist wohl für viele eine Überforderung und bleibt deshalb häufig ungehört.
Bei Ihnen war das anders. Sie kamen von allein –Sie haben uns aktiv gesucht – und Sie hatten eine eigene Idee.
Als Sie erfuhren, dass es im Forum eine Beratungsstelle Wohnen im Alter gibt, die über die unterschiedlichen Wohnmöglichkeiten im Alter berät, war für Sie schnell klar, dass diese Beratungsarbeit um einen wesentlichen Punkt bereichert werden müsste, nämlich dem der Wohnraumanpassung. Hierin liegt Ihr spezielles Wissengebiet, waren Sie doch über 20 Jahre ehrenamtliche Wohnberaterin in Süddeutschland. Als Sie von dort in den Norden zogen, hinterließen Sie dort eine funktionierende Beratungsstelle, sogar dann mit einer hauptamtlichen Stelle besetzt. Auch in Husum, wo Sie zunächst wohnten, bauten Sie eine Beratungsstelle auf. Und nun sehen wir, wie hier bei uns im Bezirk mit ganz erheblichem Zutun Ihrerseits wieder eine entsteht. (Ich hoffe, Sie gehen dann nicht wieder weg, wenn Ihr Werk vollendet ist)
(An dieser Stelle muss ich einmal erwähnen, dass Sie ihr ganzes Leben ehrenamtlich tätig waren- schon in der Zeit als Sie die Kinder großzogen, aber auch danach. Deshalb gebührt auch ein großer Dank Ihrem Mann, der Ihre ehrenamtliche Tätigkeit auch mitfinanziert hat)
Zurück zu Ihrer Tätigkeit heute:
Ihnen ist es ein besonderes Anliegen, das Menschen im hohen Alter in ihrem Zuhause bleiben können – auch wenn Hilfsbedürftigkeit eintritt. Die Wohnung, das Wohnumfeld soll an den veränderten Bedürfnissen des Menschen angepasst werden, wenn die Alltagsaufgaben nicht mehr wie bisher bewältigt werden können.
Das können müssen aber nicht immer große Umbauten sein. Oft sind es kleine Veränderungen wie die Beseitigung von Stolperfallen, das sinnvolle Umstellen von Kleinmöbeln, das Anbringen von Haltegriffen im Bad oder eine gute Beleuchtung, wodurch Gefahrenquellen reduziert werden.
In den letzten 1 ½ Jahren haben Sie viele Besuche bei älteren Menschen gemacht und sie bei der altersgerechten Umgestaltung der Wohnung beraten, den Einbau eines Treppenlifters in Gang gesetzt, zu manchen Hilfsmitteln geraten und immer wieder Überzeugungsarbeit geleistet, ein überflüssiges Möbelstück zu entfernen, damit ausreichend Platz für die Handhabung des Rollator ist. Ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen erfordern diese Besuche, fällt es doch den meisten Senioren schwer, sich von liebgewordenen Sachen zu trennen, die zur Gefahrenquelle werden können. Der berühmte Teppichläufer z.B., mit viel Sorgfalt handgeknüpft aber dennoch Stolperquelle Nr.1 . Wie gut können Sie es verstehen, dass man sich davon nicht trennen kann. Ihr Lösungsvorschlag, sich den gereinigte Teppich als Wandbehang zu nutzen wird so manches Mal dankend angenommen.
Oft sind mehrere Besuche nötig, um Veränderungen zu erreichen, da die alten Menschen Zeit brauchen – sie müssen innerlich die Veränderungen akzeptieren. Schließlich geht es um Ihren Privatbereich, der verändert werden soll.
Behutsamkeit und Vertrauen sind Schlüsselwörter, die Sie immer wieder nennen wenn es um die Qualität der Beratung geht. Obwohl manchmal wirklich viel umzukrempeln wäre, finden Sie es wichtig, Schritt für Schritt Veränderungen anzugehen und eine Vertrauensbildung aufzubauen.
Die Selbstbestimmung der zu Beratenden zu achten ist bei Ihnen oberstes Gebot.
Selbstbestimmung ist auch das Stichwort für ihr zweites Ehrenamt. Sie engagieren sich zusätzlich bei Omega, organisieren Vorträge, und setzen sich dafür ein dass Menschen sich mit ihrem Lebensende aktiv auseinandersetzen.
Sie sagen oft, das Ihr Alter Ihnen bei den Beratungen einen Bonus beschert, dass man Ihnen vieles eher abnimmt als einem Jüngeren Menschen.
Ich würde sagen – Sie haben eine ganz enorme Vorbildfunktion – für ältere sowie für jüngere Menschen.
Tatkräftig nehmen Sie Dinge, die Ihnen wichtig sind in die Hand und übernehmen Verantwortung. Für Themen, die Ihnen am Herzen liegen, entwickeln Sie eine ungeheure Leidenschaft und entflammen damit auch ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen.
Liebe Frau Rose – es ist einfach schön, dass Sie da sind und ich danke Ihnen, dass Sie den Weg in Freiwilligen Forum gefunden haben.